Urs-P. Twellmann

Bildhauerei

BIOGRAFIE
Urs-Peter Twellmann wurde am 5. April 1959 in Langnau im Emmental geboren. Er ist ein Schweizer Bildhauer. Skulpturen, Installationen und Objekte mit Holz und Eis bilden die Grundlage seines Werkes. Twellmann begann seine künstlerische Ausbildung an der Schule für Gestaltung in Bern. Danach ging er nach New York, wo er an der Art Students League studierte und seine Ausbildung am Manhattan Graphic Centre abrundete.
Er bearbeitet seine Kunstwerke und Kunstaktionen nach vorbereitenden Zeichnungen mit grossem körperlichem Aufwand. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Material, das geduldige Erforschen seiner Eigenschaften und Möglichkeiten sowie das Ausloten des Spannungsfeldes zwischen Chaos und Ordnung stehen im Zentrum des kreativen Prozesses. Neben Kleinplastiken und Aussenskulpturen entstehen weltweit grosszügige Installationen, in denen der Künstler Landschaft und Jahreszeiten in den Schaffensprozess integriert. Twellmann lebt in Münsingen bei Bern.

WERK UND WÜRDIGUNG
Urs-Peter Twellmanns bildhauerisches und inszenatorisches Schaffen gründet auf seiner intensiven Auseinandersetzung mit den materiellen und physikalischen Möglichkeiten seines Rohstoffes Holz. Seine profunden Kenntnis des Materials und seine Virtuosität im Umgang mit seinen Werkzeugen – Motorsägen verschiedener Art – lassen ihn Werke hervorbringen, die von überraschend filigraner Qualität und das Ausgangsmaterial fast vergessen lassen. Fein zersägte Stämme – der Künstler beschreibt den Vorgang als «öffnen» – bieten eine besondere Wahrnehmung des Baumwachstums und der spezifischen Holzeigenarten: Sei es, dass Twellmann einen Fichtenstamm mit den abgehenden Ästen in dünnstmögliche Längsschnitte zerlegt und dann als eine Art grossflächig ‚Physiologie’ grafisch bestechend auslegt, oder sei es, dass sich Stämme nach dem künstlerischen Aushöhlen als Zylinder mit gekonnt gesetzten Einschnitten und Durchbrüchen präsentieren. Überraschende Durchblicke und das ornamentale Spiel von Licht und Schatten, die solche Werke offerieren, faszinieren und lassen den hölzernen Rohstoff aus ungewohnter Perspektive erfassen. Bekanntheit erlangt hat Urs-Peter Twellmann durch die variierte Inszenierung eines Baumriesen mit ausladendem Geäst als eine sich ringelnde ‚Kreatur’ am Boden. Assoziationen an Kraken wie an Schlangen – sogar an Lindwürmer oder mythische Drachen – werden wach, bedingt durch den kulturellen Kontext des jeweiligen Ausstellungsorts. Überraschend sind auch Twellmanns Transformationen von Fundmaterial, die in den Fotografien dank des gewählten Blickwinkels oftmals monumentalisiert erscheinen. Mit Schalk arrangiert der Künstler Zweige, Bambusrohre, Binsen oder angeschwemmte Wasserpflanzen zu witzig-phantasievollen Mise en scène oder zu kryptischen ‚Schriftzeilen’ im Sand. Besondere Erwähnung verdienen die architektonischen Werke, die stets materiellen wie inhaltlichen Bezug zum Entstehungs- und Aufstellungsort aufweisen. So baute Twellmann 2001 im Skulpturenpark Arte Sella aus Fichtenstamm-Scheiben die begehbare skulpturale Analogie zu einer romanischen Klosteranlage. Oder er verdichtete das Abbruchholz des vormaligen Gurten-Hotels zu einer riesigen Kugel, eine geballte Erinnerung. Den Aspekt des Gedächtnisses visualisiert er explizit in seinen mit „Archiv“ betitelten Werken, wo speziell zugeschnittene Stämme Assoziationen an Bibliotheken oder Magazine wach rufen. Eine Bilanz des dreidimensionalen Gestaltens, des Bauens, des Auslotens von Materialeigenschaften und physikalischen Kräften findet sich im zeichnerischen und druckgrafischen Werk Twellmanns. Detailliert illustriert der Künstler das dreidimensional Realisierte in konzisen Skizzen, in welchen sich Bild und Text zu einem dichten Gewebe verschränken und die Komplexität des bildhauerischen Werkes deutlich vor Augen geführt ist.