Geta Brătescu

Malerei

VITA

1926 geboren in Ploiesti, nahe Bukarest | 1945–1949 Studium an der literaturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bukarest unter Georg Calinescu und Tudor Vianu und an der Akademie der Bildenden Künste unter Camil Ressu. Von der letzteren wurde sie vor dem Examen aus politischen Gründen ausgeschlossen.

Nach dem Ausschluß von der Kunstakademie arbeitet Geta Brătescu in der Art Direktion eines Kunst- und Kulturmagazins und illustriert Kinderbücher. Trotz Ausschluß vom Kunstexamen Mitglied der staatlichen Künstlervereinigung geblieben, nimmt sie an einer Forschungsreise zu den Grivita – Werken der rumänischen Schwerindustrie teil. | 1969–1971 Studium am Institut der Bildenden Künste »Nicolae Grigorescu«.

Entwickelt sich durch die siebziger und achtziger Jahre zur Grande Dame der konzeptuellen Kunst Rumäniens. Sie arbeitet in diversen Stilen und bedient sich unterschiedlicher Medien wie Zeichnung, Fotografie, Stoff, Skulptur, versteht sich aber in erster Linie als Zeichnerin im Dienst der Linie.

2008 Geta Brătescu erhält von der Nationalen Universität der Künste Bukarest den Doktor honoris causa für ihren herausragenden Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen Kunst in Rumänien.


Zum 90. Geburtstag der Künstlerin Dr. h. c. Geta Brătescu richtet die Hamburger Kunsthalle eine umfassende Werkschau aus, die wichtige Schlüsselwerke und Werkserien aus über sechs Jahrzehnten versammelt.

Der Graphik-Zyklus der Geta Brătescu »Die Christus – Mythe« (1974) stellt unseren Beitrag zur Würdigung dieser bedeutenden rumänischen Künstlerin dar.

Der Zyklus ist ein Beispiel dafür, wie die Künstlerin »die Dramatik literarischer Ereignisse in Zeichen, Linien und ihren verrücktesten Ausformungen ergründet« (Swantje Karich). Mit dem Mittel »der diskreten mechanischen Artikulation der Linien in ihren Figuren, der Figuren in der Komposition, der Versetzung der gezogenen Konturen in schnellem Tempo« entsteht eine »kinästhetisch« erlebbare Bildfolge eines alltäglichen Schicksals im
»geschäftigen Puls des Lebens« (Anca Arghir).

Die Kunsthistorikerin und Galeristin Ancar Arghir, die das Vorwort zu der Graphikmappe verfaßt hat, erkennt »im Bruch der Gewohnheiten«, in der Übersetzung »der Geste kanonischer Konventionen in vertraute alltägliche Begriffe (termini vii)« »die Ablehnung des zeitgenössischen Künstlers gegenüber dem Erbe von Klischees«.