Florian Flierl

Bildhauerei

VITA

Florian Flierl wird 1955 in Berlin geboren, lernt Holzbildhauer in der Rhön sowie in Dresden und Berlin, macht danach eine Ausbildung zum Restaurator und besucht die Abendhochschule Beriin-Weißensee, Sektion Plastik. Von 1992 bis 1993 baut er zusammen mit seinem Bruder eine Bronzegießerei auf.


Florian Flierl arbeitet in Holz, Stein, in Gips für den Guss in Bronze und mit Ton für seine Terrakotten. Kraftvoll recken, spreizen sie sich oder kauern sich wie schutzsuchend zusammen, die Figuren Florian Flierls. Sie werden so zu Sinnbildern des ewigen Mysteriums des Menschen von Freude und Trauer oder Schmerz, von Freiheit und Unfreiheit, von Ruhe und Anspannung, von Kraft und Schwäche.
Hier liegt vielleicht auch die Entscheidung des Künstlers, Formerfahrungen der griechischen Archaik aufzunehmen. Seine Kunst fußt auf dem griechischen Kouros, jener einzeln geformten Jünglingsfigur, die als Typus seit Jahrtausenden als Inbegriff griechischer Kunst gilt und seinem weiblichen Pendant, der Köre, in der archaischen Kunst allerdings bekleidet.

Florian Flierl stellt sich ganz bewusst in diese lange Gestaltungstradition, aber auch im Aufgreifen des Torsos in eine Wahrnehmungstradition. Nur dass bei ihm das Torsohafte nicht beschädigte Ganzheit, wohl aber bewusstes Gestaltungs- und Inhaltsmoment für die Aussage über ein Ganzes auch im Fragmentarischen ist. Die Komposition wird frontal angelegt in strenger Formentektonik. Während dieses in der archaischen Kunst, dem Streben nach der Beherrschung des Materials geschuldet war, ist es bei Flierl bewusstes Gestaltungsmittel. Er gehört zu den Bildhauern, die die menschliche Figur von der inneren Gestaltumg her noch in Kuben denken, in abstrahierter Körperlichkeit. Körperdetails wirken so wie auf- und angesetzte Einzelsegmente auf der Körperfläche. Die meisten seiner Figuren strahlen eine gedrungene Blockhaftigheit und stereotype Gestaltung aus und behalten den Charakter eines großformatigen Reliefs. Immer aber sind es Figuren voll großer innerer Anspannung, sei es nun die steil aufgerichtete, die tänzerischerotische oder die in sich kauernde Figur.
Text von Volkard Böhm